Bier Unikate aus Tirol.

Madame Monroe sind Sie soweit? – Tiroler Gerste für Bierol

Madame Monroe sind Sie soweit? – Tiroler Gerste für Bierol
13. August 2020 Lisa Luginger

Angerberg, Tirol. Pralle Sonne, 33 Grad. Die Frisur sitzt nicht und das Leiberl pickt am staubigen Körper. Aber des is wurscht. Weil 30 Zentimeter über dem erdigen Boden zeigen die festen Ähren der Winterbraugerste ihr schönstes, unbearbeitetes Gesicht. Monroe heißt die Sorte, die an diesem Tag geerntet wird – gedroschen wie der Landwirt sagt – extra und nur für Bierol. 

Gerste ist die Grundlage für das Bierol-Bier. Aus ihr wird Malz und durch das kann der Brauer Geschmack, Alkoholgehalt und Farbe des Bieres bestimmen. Heutzutage wird Malz meist zugekauft. Wer hat schon Gerstenfelder und Mälzerei an und in der Brauerei? 

Bei letzterem müssen auch wir passen und überlassen das den Profis. Doch was die Gerste anbelangt, geht Bierol seinen eigenen Weg und baut zusammen mit dem benachbarten Pranz’n Hof in Kirchbichl und dem Biohof Hannes Haas in Rotholz die Winterbraugerste Monroe an.

Beim Pranzn ist der Erntetag angebrochen. Bevor Christoph Scharnagl seinen Claas Dominator, ein lautes Gerät anno 1974, anschmeißt, zupft der Jungbauer eine Ähre ab und schaut sie sich an. „I hätt ma ned denkt, dass se so schea wern“, sagt er mit einem Augenzwinkern im feinsten Unterlandler-Dialekt. Denn der Standort habe seine Tücken. Was für das ungeübte Auge und den vor Freude juchzenden Fotografen nach idyllisch-bilderbuchhaftem Alpenpanorama aussieht, heißt für den Landwirt: Viel Schatten durch die umliegenden Wälder, dadurch langsames Wachsen des Saatgutes. Das war vor allem nach der Aussaat im vergangenen Herbst ungünstig. Doch das Blatt hat sich gewendet. Dank wenig Schnee im Winter und guten Wetterbedingungen mit ausreichend Niederschlag im heurigen Sommer konnte das Getreide doch noch gut gedeihen. 

Zwei Hektar groß ist das Feld bei Angerberg. Eine gute Stunde wird es dauern, bis der 27-Jährige ganz dunkel vom Staub wieder vom Mähdrescher absteigt. Die ganze Familie Scharnagl ist mit dabei. Vater Georg, der dem Sohnemann jedes Mal routiniert mit dem Anhänger zum Abladen der Körner entgegen gefahren ist, wenn dieser per Handzeichen dazu gerufen hat. Freundin Jessica, die eigentlich aus München kommt und Schauspiel studiert hat, bevor sie ihre Zelte dort abgebrochen und in Tirol wieder aufgebaut hat. Und Mutter Silvia, die davon erzählt, wie glücklich sie sei, dass der Sohn sich für das Fortführen des Familienbetriebs entschieden hat und dass sie nun nicht nur abends zusammen essen, sondern auch den Tag über miteinander arbeiten. 

Überhaupt: Es gibt viele Parallelen zwischen den Unternehmen Bierol und Pranz’n Hof. Nicht nur, weil man weitläufig verwandt ist, sondern auch und vor allem der Ansatz, betriebsübergreifend zusammen zu arbeiten, um sich zu ergänzen statt zu ignorieren. Ganz einfach ausgedrückt: der regionale Gedanke, so wie er im Lehrbuch steht. 

Rund achteinhalb Tonnen Gerste werden an diesem Nachmittag gedroschen – eine ganz passable Menge für die Feldgröße, wie Christoph Scharnagl meint. Das mag daran liegen, dass sich die österreichische Zuchtsorte Monroe gut an die hiesigen Bedingungen angepasst und somit als Braugerste durchgesetzt hat, erklärt Martin Haas, Pflanzenbaulehrer an der Landwirtschaftsschule Rotholz, der mit seinem Biohof ebenfalls Gerste für Bierol anbaut. „Sie ist eine standfeste Sorte, die gut mit widrigen Bedingungen umgehen kann. Dazu ist sie sehr ertragreich und auch für den Bio-Anbau bestens geeignet.“ 

Auf dem Feld gehen langsam die Lichter aus. Während sich der letzte Hase wortwörtlich aus dem Staub gemacht hat und die Halme einem stoppeligen Boden gewichen sind, stehen Georg und Christoph über dem Anhänger und begutachten die Körner. Klein sind sie, aber schön. Vater und Sohn sind zufrieden. Und durstig. Leider gibts kein Bierol-Bier am Feld. Das folgt erst eine Woche später, als Christoph das Getreide in großen Bigbags zum Namensvetter in die Brauerei liefert. 

Nach einer sogenannten Keimruhe von rund zwei Monaten wird Madame Monroe dann weiter zu einer Mälzerei gebracht werden um dann als helles Basismalz wieder zurück in der Brauerei zu kommen – der Kreislauf des Korns sozusagen. Bis genau aus dem Getreide, das an diesem heißen Augusttag 2020 gedroschen wurde, Bier gebraut wird, wird noch rund ein halbes Jahr vergehen. Bis dahin können Brauer und Landwirt über neue Ideen philosophieren. Und dabei ein Bier trinken mit der gemeinsam angebauten Monroe-Gerste vom letzten Jahr. 

 

Von Lisa Luginger – Fotos: René Ruprecht

4 Kommentare

  1. Henry Haag 2 Monaten vor

    Mei ist des schee.

  2. Uwe 1 Monat vor

    Der Bierprobierdurst steigt. Zeit wirds, bei Euch vorbeizuschauen. Spätestens in der Osterwoche ’21 könnte es klappen.

    • Autor
      Lisa Luginger 1 Monat vor

      Hallo Uwe, das wäre toll. Würden uns wirklich sehr freun. lg, Lisa

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